Angewandte Oekonomik

Kompass

Angewandte Oekonomik – Märkte | Informationen | Werte

Wirtschaft zu verstehen und betriebliche Herausforderungen in einer komplexen globalisierten Welt zu bewältigen erfordert universell einsetzbare Werkzeuge und Orientierung an jeweils relevanten Werten. Ordnen und Beurteilen von Informationen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle, effizienter Prozesse und die kompetente Übernahme von Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft.

An dieser Stelle setzte der Schwerpunkt Angewandte Oekonomik an, der in Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Wirtschaft (Unternehmen, Verbände, Öffentliche Hand und Politik) das Handwerkszeug der modernen Ökonomik auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen ergebnisorientiert anwendet und die methodischen, analytischen und ethischen Kompetenzen der Studierenden erweitert.

Seit SS2016 wird dieser Schwerpunkt aufgrund des Ausscheidens von Harald Bolsinger durch seine Tätigkeit als Dekan und dem Weggang von Robert Jäckle an die THN von neue Kollegen in veränderter Form weitergeführt.

Fachinhalte

Der Schwerpunkt vermittelte im Wesentlichen folgende Kompetenzen als Grundlage für eine breite Verantwortungsübernahme im Beruf:

  • Analytische Kompetenz: Märkte und Organisationen verstehen und Zusammenhänge und Querverbindungen erkennen
  • Informationskompetenz: Informationen ermitteln und bewerten und Chancen entdecken
  • Verantwortungskompetenz: Werte verstehen und nutzen; verantwortungsvoll und nachhaltig handeln

Der Schwerpunkt ist in zwei Module gegliedert, die aus jeweils drei Themenbereichen bestehen.

Modul: Methoden und Nachhaltigkeit

(Empirical Research Methods & Sustainability)
  • Methoden der empirischen Markt- und Sozialforschung
  • Methoden der empirischen Wirtschaftsforschung
  • Nachhaltiges Wirtschaften

Im ersten Modul werden die Studierenden aufbauend auf den Inhalten der ersten fünf Semester mit dem praktischen Instrumentarium der Markt- und Wirtschaftsforschung vertraut gemacht. Hierzu gehört unter anderem die Fähigkeit, ein marktgerechtes Befragungsdesign zu erarbeiten und dieses auf die gewünschten Analyseziele auszurichten. Diese Fähigkeiten erlauben es, Umfragen zu gestalten und durchzuführen.

In den Methoden der empirischen Wirtschaftsforschung werden empirische Verfahren besprochen, die es erlauben, bereits vor der Markteinführung Produkte und Dienstleistungen zu definieren, die marktgängig sind. Es ist auch möglich, Informationen darüber zu erhalten, wie existierende Produkte und Dienstleistungen geändert werden sollten, um den Markterfolg zu steigern. Datengrundlage hierfür sind meist eigene Erhebungen, die im Kurs Methoden der Markt- und Sozialforschung besprochen werden.

Der Bereich nachhaltiges Wirtschaften erweitert das Verständnis für den Kontext betrieblicher Entscheidungen über isolierte Effizienzbetrachtungen hinaus und bietet ein Menschenbild jenseits der Annahmen zum homo oeconomicus als weiteren Analyse- und Entscheidungsrahmen. So wird gleichermaßen unternehmensbezogenen als auch gesamtgesellschaftsbezogenen sinnvollen Zukunftslösungen Vorschub geleistet, die nicht nur einzelwirtschaftlich sondern gleichzeitig auch im globalen Kontext erstrebenswert sind.

Modul: Verhalten, Preise und Werte

(Human Behaviour, Price & Values)
  • Wertemanagement
  • Preisstrategien
  • Strategische Interaktionen, Informationen und Verhalten

Das zweite Modul des Schwerpunkts befähigt zu ganzheitlichem ökonomischem Entscheidungsmanagement. Hierzu werden Verfahren aus den aktuellen Feldern der Verhaltensökonomik, der Neuen Institutionenökonomik und der Industrieökonomik herangezogen. Diese erlauben es, betriebliche Abläufe – beginnend beim Personalwesen über organisatorische Fragen bis hin zu Marketing – besser zu verstehen und hinsichtlich der Unternehmensziele effizient zu gestalten.

Der Methodenteil des ersten Moduls ist eng verbunden mit Preisstrategien. Über Conjoint-Analysen lassen sich Reaktionen der Konsumenten auf Produkteigenschaften empirisch ermitteln. Die Veranstaltung Preisstrategien setzt diesen empirischen Ansatz in einen größeren Kontext. Die Methoden der empirischen Markt-, Sozial- und Wirtschaftsforschung dienen in der Praxis als Informationsgrundlage, um das Entscheidungs- und Wertemanagement in Betrieben zu verbessern.

Im Bereich des Wertemanagements werden die erforderlichen Grundlagen gelegt, um Werte in Form ethischer und moralischer Gestaltungskraft als Teil eines sinngebenden Managementansatzes in Unternehmen, Institutionen und Märkten einzusetzen. Hierzu werden wichtige Werte und Weltanschauungen eingehend beleuchtet und reflektiert und es wird das notwendige Instrumentarium zur erfolgreichen betrieblichen Steuerung mit Werten aufgezeigt.

Wollen Sie zusammen mit uns ein spannendes Projekt in den genannten Themenfeldern umsetzen? Dann wenden Sie sich an uns! Wir suchen laufend interessierte Unternehmen, Verbände, Ministerien usw. mit Interesse an der Durchführung von Projekten innerhalb unseres Schwerpunkts.

Kontakte und Zusammenarbeit bestehen bisher in den Bereichen

  • Finanzwirtschaft
  • Markt- und Sozialforschung
  • Medienwirtschaft
  • Wohnungsbau
  • Wirtschaftsförderung
  • Sozial- und religiöse Unternehmen
  • Öffentliche Einrichtungen (z.B. Agentur für Arbeit, Kommunalverwaltung,…)
  • Genossenschaftswesen
  • Politik

Lehrkonzept

Das Lehrkonzept basiert auf einer ausgewogenen kompetenzorientierten Kombination aus Präsenzlehre, gesteuerter sozialer Interaktion in Teamtrainings und geführt erarbeiteten Präsentationen der Studierenden sowie Exkursionen und aktiv begleitetem Projektlernen in Kleingruppen mit Praxispartnern aus Wirtschaft und Verwaltung anhand real existierender Fragestellungen.

Stimmen ehemaliger Teilnehmer

Sebastian A.

Im Schwerpunkt Angewandte Ökonomik erhielt ich einen Einblick in die Conjoint-Analyse sowie in Verhaltensökonomie und Survey-Methodik. Außerdem beschäftigten wir uns mit ethischen Themen, Weltanschauungen und Nachhaltigkeit. Besonders im Gedächtnis blieben mir dabei die Diskussionen, die zu globalen Problemen geführt wurden und die sich mit „moralischen Zwickmühlen“ auseinandersetzten.

Der Schwerpunkt veränderte mein Denken und meine Kompetenzen, indem er meinen Blick weg von bloßen Themen der BWL hin zu interdisziplinären Fragestellungen und Problemen lenkte. So lernte ich, Dinge zu hinterfragen und nicht einfach als gegeben hinzunehmen.

Die Stimmung im Schwerpunkt war immer sehr locker und zugleich produktiv. Auch das Teamtraining in der Rhön machte so großen Spaß. Deshalb würde ich den Schwerpunkt wieder wählen und finde natürlich auch, dass dieser die richtige Wahl für mich war.

Johannes P.

Der Schwerpunkte Angewandte Oekonomik hat mich gelehrt meinen Blick nicht nur auf eine rein monetäre, sondern ganzheitliche Betrachtung eines Unternehmens zu richten. Ebenfalls möchte ich das breitgefächerte Angebot des Schwerpunktes hervorheben. Bei den Themen Verhaltensökonomik, Surveymethodik, Conjoint-Analyse und Nachhaltigkeit ist für jeden sicher etwas dabei. In kleinen Gruppen mit interessanten Praxisprojekten konnte die Theorie leicht gefestigt werden.

Praktikerwissen

Die wissenschaftlich fundierten Lehrinhalte werden durch Erfahrungswissen von in der Praxis stehenden Gastdozenten ergänzt. So wurden die Lehrveranstaltungen des Teams Bolsinger-Hellbrück-Jäckle bislang (Auswahl, Stand 03/2014) bereichert durch:

  • Dr. Sebastian Bechmann, Senior Projektleiter Arbeit und Erwachsenenbildung, TNS Infratest Sozialforschung GmbH: „Methoden der Markt- und Sozialforschung“.
  • Karlheinz Anding, Präsident des Statistischen Landesamtes Bayern: “Aufgaben des Statistischen Landesamts”.
  • Carl von Carlowitz, Sylvicultura Oeconomica: “Nachhaltigkeit und Wald”.
  • Dr. Josef Hartmann, Bereichsleiter Arbeit und Erwachsenenbildung, TNS Infratest Sozialforschung GmbH: „Methoden der Markt- und Sozialforschung“.
  • Kornelia Götz, Master für ethisches Management: “Nachhaltigkeit in der Versorgungswirtschaft am Beispiel der N-ERGIE AG und VAG”
  • Gottfried Baer, Gründer und GF MEHRWert Finanzberatung GmbH: “Verbindung materieller und ethischer Werte in der Praxis nachhaltigen Investments”
  • Bernd Theile, ehemal. Direktor Human Ressources Pfizer: “Personalmanagement im ethischen Spannungsfeld”
  • Dr. Markus Eberl, Bereichsleiter Applied Marketing Science, TNS Infratest: „Conjoint Anlysen in der Praxis“
  • Wilhelm Keller, Niederlassungsleiter Quirin-Bank: “Unternehmenskommunikation und Organisationsstruktur im Finanzdienstleistungssektor: Werteorientierung zwischen Wunsch und Wirklichkeit”
  • Dr. Tilman von Roncador, Sachgebietsleiter des Statistischen Landesamtes Bayern: “Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung”.
  • Ümit Sormaz, Träger der Integrationsmedaille:”Muslimische Weltanschauungen in der Wirtschaftspraxis”
  • Horst Schneider, Vorstandsvorsitzender der Evenord-Bank eG-KG: “Wertemanagement in der Praxis”

und vielen weiteren kompetenten Praktikern.

Beispielhafte Projekte:

Werteanalyse in der Praxis des Werte-orientierten Bankgeschäftes

Die Projektgruppe des Schwerpunktes „Angewandte Oekonomik“ der Fakultät Wirtschaftswissenschaften präsentierte ihre Ergebnisse vor Vorstand und Bereichsleitung der Evenord-Bank eG-KG. Unter Leitung von Professor Dr. Harald Bolsinger analysierten die Studierenden den Nürnberger Regionalmarkt im privaten Baufinanzierungsgeschäft. Durch eine qualitative Wettbewerbsanalyse in Bezug auf die Unternehmenskommunikation der Hauptwettbewerber wurde ein Bild der regional vermarkteten Werte im Baufinanzierungsbereich gezeichnet. Eine repräsentative Kundenbefragung aus quantitativen und qualitativen Elementen auf Basis des untersuchten Dienstleistungsprozesses machte die Wertvorstellungen und Zufriedenheit von Bestandskunden der Evenord-Bank eG-KG transparent. Eine Nichtkundenbefragung ergänzte das Gesamtbild. Fachbezogene Handlungskompetenz wird im Studienschwerpunkt „Angewandte Oekonomik“ mittels angewandten Projektlernens aufgebaut. Die Studierenden – die kurz vor ihrem Studienabschluss stehen – haben bewiesen, dass sie theoretisches Wissen in praktisch anwendbare Empfehlungen umsetzen können.

Evaluation der Beweggründe vorzeitiger Exmatrikulationen

Zweisemestriges Praxisprojekt mit der zentralen Einheit für Qualitätssicherung der FHWS (Hochschulleitung). Die Studenten arbeiteten in drei konkurrierenden Marktfoschungsteams (jeweils 6-7 Personen) an einem Angebot und präsentierten dieses vor der Hochschulleitung. Alle drei Teams „gewannen“ die Ausschreibung und erarbeiteten anschließend ein schlüssiges Befragungsdesign und einen aussagekräftigen Fragebogen. Eines der Teams erarbeitete eine qualitative Befragung und führte diese durch. Die Fragebogen wurden während der Entwicklung mit dem Kunden (Hochschulleitung) diskutiert und am Ende des Semesters präsentiert. Die qualitative Befragung wurd unter Entscheidungsträgern der Hochschule zirkuliert. Zwei der so erarbeiteten Konzepte wurden weiter verfolgt und im Rahmen einer Befragung von 800 exmatrikulierten Studenten experimentell gegeneinander getestet. Der Start in die vierwöchige Feldphase erfolgte per Multi-Mode-Ansatz (online und postalisch). Die Studenten organisierten und steuerten die Feldarbeit und werteten das Feldexperiment und die Daten aus, verfassten einen Methodenbericht und präsentierten die Ergebnisse der Hochschulleitung.

Entwicklung des ’New Epix’

Der New Expix is ein neuartiger Index zur Beschreibung der Marktentwicklung im Bereich elektronisches
Publizieren in Kooperation mit dem Arbeitskreis elektronisches Publizieren des deutschen Buchhandels, Kommission Digitale Medien der deutschen Fachpresse. Ziel des Projektes war die Entwicklung eines Indexes, der die Marktentwicklung im Segment elektronisches Publizieren adäquat abbildet. Inhalte des Projektes waren neben den angewandten Methoden des Projektmanagements insbesondere die Entwicklung eines Rahmenkonzeptes, die Anwendung dieses Konzeptes auf den Markt elektronisches Publizieren, Entwicklung relevanter Gütekriterien für
Kennziffern sowie die Erarbeitung mehrerer Vorschläge für einen Marktindex.

BehaVeLab: Ausrüstung eines Verhaltens- und Befragungslabors

Erstellung von Tutorials zum Befragungs- und Verhaltenslabor BehaVeLab. Ziel des Projektes war die praxisorientierte Entwicklung von Anleitungen zur Nutzung verschiedener Softwarepaketen zur Durchführung von Umfragen und Verhaltensexperimenten. Inhalte des Projektes waren neben den angewandten Methoden des Projektmanagements insbesondere die Erarbeitung des Wissens zur Nutzung der Software, Entwicklung eines Rahmenkonzeptes, Anfertigung schriftlicher Anleitungen zur statistisch fachgerechten Nutzung der Software, Anfertigung von Drehbüchern sowie die Videoaufzeichnung zu Lehrfilmen.

Produktgestaltungspraxis im werteorientierten Finanzdienstleistungsgeschäft

Evaluation der Beweggründe vorzeitiger Exmatrikulationen

Studie zu Würzburgs Wirtschaftswerten (wertemetropole.de)

Mitgliederbefragung im Auftrag des Handelsverbandes

Vermarktungskonzept einer nachhaltigen Produktinnovation

und viele weitere Projekte …