Unternehmensethos und christliche Spiritualität: Management mit christlich begründeten Werten bereichern!

„Unternehmensethos und christliche Spiritualität: Management mit christlich begründeten Werten bereichern.“„Unternehmensethos und christliche Spiritualität: Management mit christlich begründeten Werten bereichern.“ in: Warode, M./Bolsinger, H./Büssing, A. (Hrsg.) „Spiritualität in der Managementpraxis“, Herder, Freiburg 2019, S. 130 – 147

Vorwort: Den Transfer von christlicher Spiritualität in die Managementpraxis wissenschaftlich fundiert und praktisch reflektiert zu betrachten, ist ein wesentliches Ziel dieses Buches. Es geht darum, christliche Spiritualität in aktuellen Management- und Führungsprozessen sichtbar zu machen und für eine professionelle Arbeit mit der Thematik zu sensibilisieren. Die Kernfrage dabei ist: Was sind wesentliche Merkmale christlicher Spiritualität und wie kann diese Form der Spiritualität in Management- und Führungsprozessen praktisch nutzbar gemacht werden? Das Interesse an dieser Fragestellung hat die drei Herausgeber zusammengebracht, die allesamt in den Bereichen christliche Spiritualität, Ethik und Management resp. Handlungen tätig sind. Auf Einladung und unter Moderation von IUNCTUS – Kompetenzzentrum für Christliche Spiritualität der PTH Münster trafen sich Markus Warode, Arndt Büssing und Harald Bolsinger im Mai 2017 im Kapuzinerkloster in Münster, um sich über Möglichkeiten eines gemeinsamen interdisziplinären Forschungsprojekts zu Spiritualität in der Managementpraxis auszutauschen: Welche Ressourcen stellen das christliche Menschenbild und christliche Spiritualität für die anspruchsvolle Führungspraxis zur Verfügung? Aus welchem spezifischen Werteportfolio schöpfen Führungskräfte mit christlicher Prägung in Wirtschaft, Politik oder Medizin? Welche besonderen Coping-Strategien sind in Krisenkontexten beobachtbar? Diese und weitere Fragen sollten in einer gemeinsamen Befragung beleuchtet werden. Dazu wurde ein interdisziplinäres Team aus der Welt der Wissenschaft und der Führungspraxis zusammengeführt. Denn wer die Verbindung zum Heiligen aufgrund eigener Erfahrung selbst in Worte fassen und mit wissenschaftlicher Distanz professionell betrachten kann, hat einen Erfahrungsschatz, der für das gemeinsame Vorhaben äußerst wertvoll ist. Beteiligte aus den Fachgebieten Medizin, Psychologie, Ethik und Wirtschaftsethik, Theologie, Organisations- und Unternehmensentwicklung, Strategische Unternehmensführung, Coaching und Führung folgten vor dem Hintergrund der Einladung von Harald Bolsinger im Oktober 2017 nach Würzburg, um an der FHWS über eine optimale Herangehensweise an die Fragestellung in den Diskurs zu treten. Aus der wissenschaftlich interdisziplinären Herangehensweise und der gezielten Berücksichtigung praxisorientierter Erfahrung sollten in der Führungs- und Managementpraxis praktisch nutzbare Erkenntnisse generiert werden. Ein Ergebnis der Forschungstagung war ein erster umfangreicher Fragebogen mit unterschiedlichen Modulen, der in einem weiteren Schritt unter Federführung von Arndt Büssing durch die Gruppe praxisorientiert verdichtet wurde und 2018 zur Pilotierung kam. Der „Bund Katholischer Unternehmer“ und der Verband „Christen in der Wirtschaft“ halfen dankenswerterweise bei der Streuung des Fragebogens an eine passende Zielgruppe, so dass trotz der äußerst umfangreichen Befragung Rückläufe für Tendenzaussagen generiert werden konnten. Der Fragebogen wurde als ein Schritt zur Entwicklung eines multikontextuell einsetzbaren Befragungsinstruments gesehen, das über Verhaltensprägungen und Haltungen Aussagen zur Bedeutung der Spiritualität im Berufsleben ermöglicht und eine erste Diagnose erlaubt, welche besonderen Ressourcen aufgrund dieser spirituellen Prägung vorhanden sind. Auch wenn der Fokus der inhaltlichen Auseinandersetzung auf der christlichen Spiritualität liegt, ist es ein Anliegen des Forschungsnetzwerks, alle Formen von Spiritualität (und auch religiösen bzw. areligiösen Einstellungen) in die Forschungsarbeit mit einzubeziehen. Auf dieser Basis ist letztlich die Idee entstanden, die vorhandenen Erfahrungen und Ressourcen des Netzwerks zu Fragen von Spiritualität in der Managementpraxis und zu den ersten Ergebnissen mit dem Diagnoseinstrument im vorliegenden Band zusammenzuführen. Als Grundorientierung sind dabei folgende Fragestellungen in den Blick genommen worden: Welche Auswirkung hat christliche Spiritualität auf das berufliche Leben? Handeln spirituell praktizierende Führungskräfte erkennbar anders – womöglich „besser“? Wie kann Spiritualität mit modernem Management und Führung, Organisationskultur und Wertemanagement positiv verbunden und nutzbar gemacht werden? Welche Beispiele zu „angewandter Spiritualität“ gibt es aus unterschiedlichen Bereichen wie z. B. Kirchenverwaltung (Bistum), Krankenhaus in konfessioneller Trägerschaft oder freier Wirtschaft. Anhand dieser Fragestellungen ist eine Dreiteilung des Buches vor genommen worden. Im ersten Teil geht es darum, die Grundlagen von christlicher Spiritualität und Ethik im Kontext von Management und Führung zu beschreiben. Der zweite Teil befasst sich mit der wissenschaftstheoretischen Zusammenführung von Spiritualität und Management bzw. Führung. Der dritte und letzte Teil widmet sich der Frage nach dem Transfer von Spiritualität in die Managementpraxis. Insgesamt liefert der Band umfassende Anregungen, christliche Spiritualität zielführend für die Entwicklung von Menschen und Organisationen nutzbar zu machen. Gleichzeitig fordert er dazu auf, die noch unbeforschten Bereiche dieses vielversprechenden Themenkreises in den Blick zu nehmen. Wir freuen uns auf einen neuen und verstärkten Diskurs im deutsch-
sprachigen Raum zu christlicher Spiritualität in der Managementpraxis. Wenn dazu ein Beitrag geleistet werden konnte, ist das Ziel unserer Bemühungen erreicht.
Münster, Würzburg im März 2019
Markus Warode, Harald Bolsinger, Arndt Büssing